Gestern (13. März 1924) hielt im Rahmen der Volkshochschule, im Klug´schen Saale, Herr Dr. Loth einen Vortrag über die großen Gefahren der Tuberkulose. Leider hatte sich nur ein kleiner Teil Zuhörer eingefunden. Jeder muß die furchtbare Krankheit genau kennen, nur dann ist eine wirksame Bekämpfung möglich. Die Worte des Herrn Dr. Loth über Entstehung, Wirkung und Abwehr der Tuberkulose müssen bei uns Beachtung finden, denn schreckliche Feststellungen über die Opfer dieser mörderischen Volksseuche durch die verschiedensten Ursachen lassen sich bei uns fast nicht mehr ausdenken. Die Untersuchungen der Schulkinder durch den Arzt müssen wieder stattfinden, die Heimarbeit beseitigt werden. Licht, Luft und Verantwortungsgefühl für die Gesunderhaltung des Körpers müssen bei jedem Einkehr halten. Die Hälfte unserer Tuberkulosekranken schläft mit anderen Familienangehörigen zusammen, sie haben kein eigenes Bett. Darum soll der Vorschlag des Dr. Loth durchgeführt werden., für die Unterbringung dieser Kranken ein Heim zu errichten. Bedauerlich wäre es, wenn die Finanzierung dieses Werkes der Bekämpfung des sozialen Elends bei uns die gutsituiereten Steinacher Einwohner nicht einsehen. Durch Lichtbilder wurden dann die schrecklichen Verheerungen der Bazillenkrankheit veranschaulicht. Verschieden gestellte Fragen beantwortete Dr. Loth. In Steinach befinden sich 400 Wohnungssuchende über 25 Jahren. Die schulärztlichen Untersuchungen werden bei uns eingeführt.
Am gestrigen Vormittag (19. Juli) fand die feierliche Einweihung des Walerholungsheimes statt. Eine stattliche Anzahl geladener Gäste, Vertreter der Thüringer Regierung, des Kreisrats, der Gemeindeverwaltung, der Krankenkasse und der Presse, sowie viele Einwohner unserer Stadt und der Nachbargemeinden waren anwesend.
Der feierliche Akt wurde eröffnet durch Vorträge unseres Musikvereins, des Gesangsvereins „Fidelia“ und des gemischten Chors vom Arbeiter-Gesangsverein „Liderkranz“.
Hierauf brachten die Vertreter von Regierung, Kreis, Gemeinde usw. ihre Wünsche für das neue Heim in treffenden Worten zum Ausdruck.
Den Anfang machte Beigeordneter Lärtz, der im Namen der Stadtverwaltung das Walerholungsheim Steinach der Öffentlichkeit übergab. Er begrüßte die geladenen Gäste von der Thüringischen Landesregierung, die Herren Ministerialrat Fritze und Oberregierungsrat Hofmann, vom Kreis die Herren Regierungsrat Leimeister, Beigeordneter König und Medizinalrat Werner, sowie die übrigen geladenen. Das Zentralkomitee zur Bekämpfung der Lungentuberkulose und die Thür. Landesversicherungsanstalt die nicht in der Lage waren der Einladung zu folgen, haben ihre Grüße übermittelt.
Beigeordneter Lärtz führte aus, dass vor 1 ½ Jahren Herr Dr Loth auf die Bedeutung eines Walderholungsheims für Steinach hingewiesen hat. Er sprach allen, die mitgeholfen haben diese Forderung in so kurzer Zeit zu erfüllen, Dank aus. Den Vertretern von der Thür. Regierung in Weimar, der Thür. Landesversicherungsanstalt, der Kreisdirektion Sonneberg, der Krankenkasse Steinach und dem Zentralkomitee in Berlin.
Im Abschluß daran sprach Herr Dr. Loth über die Verbreitung der Tuberkulose in Steinach im Zusammenhang mit der griffelmacherei und den trostlosen Wohnverhältnissen in der Vergangenheit und heute. Aus den Feststellungen gegenüber den Großstädten ist zu sehen, dass die Tuberkulosesterblichkeit in Steinach die von Hamburg und Berlin um das Doppelte übertrifft. Er dankte persönlich allen, die an dem geschaffenen beteiligt ware, vor allem der Stadtverwaltung, insbesondere dem Stadtbauamt.
Daraufhin ergriff Bürgermeister Luthardt das Wort, hieß nochmals alle Gäste willkommen und sprach ihnen den Dank der Stadt für ihre Unterstützung aus.
Ihm schloß sich Ministerialrat Fritze an, der sich für die Einladung und freundliche Begrüßung und Anerkennung bedankte. Er brachte im Auftrage des Ministers des Inneren zum Ausdruck, dass dieser es sehr bedauere, dass sein Erscheinen hier durch eine Reise nach Meinigen verhindert worden wäre. Es sei im Thür. Wohlfahrtsministerium sehr wohl bekannt wie in Steinach die Verhältnisse in wirtschaftlicher und gesundheitlicher Beziehung liegen. Die Thür. Staatsregierung sei jederzeit bereit hier Linderung und Besserung zu schaffen, was sie ja hier bewiesen habe, indem erhebleiche Geldmittel zur Verfügung gestellt habe. Er beglückwünsche die Gemeinde zu dem Bau und wies darauf hin, dass ein Hauptverdienst dem Beigeordnetem Lärtz zufällt, dem er an dieser Stelle für sein tatkräftiges Handeln dankte.
Anschließend sprach Regierungsrat Leimeister der Stadtverwaltung den Dank von seiten des Kreises aus. Bedingt durch den Krankenhausneubau, der alle Mittel verschlingt, konnte leider nicht so geholfen werden, wie Steinach es erwartet hat Geld zu beschaffen und das Walderholungsheim zu errichten, das als ein Symbol gelten kann für Kraft und Fleiß ihrer Bewohner.
Justizoberwachtmeister Krempel brachte als Vorsitzender des Ortspflegeausschusses dem neuen Heim zur Einweihung die besten Wünsche entgegen.
Im Anschluß daran brachte der gemischte Chor vom Arbeiter-Gesangsverein „Liderkranz“ und der Gesangsverein „Fidelia“ recht stimmungsvolle Vorträge dar, die einen erhebenden Eindruck hinterließen. Bürgermeister Luthardt dankte hierauf noch ins besonderen Herrn Dr. Loth, Beigeordnetem Lärtz, Stadtbaumeister Baumbach, Architekt Eichhorn aus Lauscha, sowie für die freundlichst übermittelten Wünsche von der Thür. Landesregierung und vom Kreisrat Beigeordneter Lärtz überreichte sodann mit den besten Wünschen für die Zukunft, nachdem das Heim in so schöner Weise seiner Bestimmung übergeben war, der Leiterin, Schwester Auguste Brehm, den Schlüssel für die Wirkungsstätte und dankte den Vereinen für ihre Mitwirkung bei der Feierlichkeit, die der Musikverein mit einem beschwingenden Marsch schloß.
Anschließend folgte einen Besichtigung des Heimes, die Anlaß gab, dass zahlreiche Gruppen noch bis zum Nachmittag verweilten.
Eine Photographie in Postkartenformat ist in den hiesigen Geschäften zu haben.
Durch Referenten des Wohlfahrtsausschusses wurde bei allen der Eindruck verstärkt, dass die Gemeinde sich ihrer Pflicht bewusst ist, die Vorbedingungen zu schaffen, um die Existenz aller Gemeindemitglieder zu schützen und zu sichern. Der Bau eines Walderholungsheimes wurde beschlossen. Es gibt Raum für Männer, Frauen und Kinder. Zum Übernachten werden 20 Betten vorhanden sein in Zimmern mit aller notwendigen Einrichtung; je 2 Betten befinden sich in einem Zimmer.
Der etwa 8-9.000 Quadratmeter große Bauplatz für das Heim ist bereits abgeholzt. Er befindet sich auf der vorspringenden Nase des Steinheideberges im Goldbach oberhalb des Ponsoldbruchs. Durch gründliche Beobachtungen und Feststellungen hinsichtlich der Zweckmäßigkeit des Platzes wird er allseits als der idealste Flecken angesprochen, der für das Walderholungsheim zu finden war. Das Gebäude besitzt drei Obergeschosse, am ersten und am zweiten Stock angebaute Liegehallen und gib der Schwester und dem Wärter und seiner Familie Wohnung.
Man wird durch die Anschaffung dieser Einrichtung der hier in erschreckendem Maße auftretenden und durch die Wohnungsnot immer neue Herde findenden Tuberkulose notwendig und entgegenarbeiten können; zu ihrer dauernden Beseitigung müssten allerdings mindestens 400 neue Wohnungen geschaffen werden.
Der Kostenanschlag für diese Stätte ergibt die Summe von 64.000 Mark. Für den Plan sind jedoch alle inserierten Instanzen gewonnen, so dass 21.000 Mark schon heute zur Verfügung stehen, laufende Unterstützung ist zugesichert.
Bau eines Walderholungsheimes für Lungenkranke (Ref.: Beigeordneter Ärzte)
Nach dem die geplante Anlage an Hand der Zeichnungen eingehend erläutert und die Stellenaufnahmen der an der Einrichtung interessierten Stellen, insbesondere die Beteiligung derselben an der Aufbringung der Baukosten, vorgetragen worden war, beschloß der Gemeinderat, das Walderholungsheim in der vom Ortspflegeausschuß vorgeschlagenen Weise zu errichten. Die Stadt übernimmt zunächst die Kosten für die Ausführung der Erdarbeiten und der Lichtanlage. Die übrigen Baukosten wurden zum größten Teil aufgebracht durch die Thür. Landesversicherungsanstalt, den Staat, die Ortskrankenkasse, den Kreis und die deutsche Zentralstelle zur Bekämpfung der Tuberkulose.
Auf das Erdgeschoß, das von an Ort und Stelle gebrochenen Steinen durch die Baugenossenschaft zusammengefügt war, haben vom Donnerstag bis Montag die Zimmerer des Geschäfts von Adolf Queck den drei Stockwerke hohen Bau aufgerichtet. Nach altem Brauch geschah die Übergabe des Hauses unter Lobleistung des Handwerks und Danksagung für alle, die irgendwie zum Gelingen mitgeholfen haben.
Beigeordneter Lärtz begrüßte unter herzlichen Worten das Heim in der Hoffnung, dass es die Kranken aufrichtet an Körper und Geist. Den Richtspruch hielt der Geselle Karl Matthai. Bürgermeister Luthardt dankte sodann besonders Dr. Loth, der schon lange mit dem Gedanken für die Errichtung einer solchen Stätte hegte, für seine Aufopferung und mit ihm dem Beigeordneten Lärtz; der Ortskrankenkasse, dem Kreis, dem Staat, der Thür. Landesversicherungsanstalt, die vollstes Verständnis für den Plan entgegen brachten und ihn finanzierten, sprach der Bürgermeister den Dank der Stadt aus. Durch ein Hoch wurde auch Architekt Eichhorn aus Lauscha geehrt, der mit Umsicht den Bau leitet.
Nun werden die weiteren Arbeiten am Walderholungsheim rüstig fortschreiten. Gegen Witterungsunbilden werden die Außenwände mit kleinem Schablonenschiefer getäfelt, das Dach wird mit dunkelroten Ziegeln gedeckt. Rechts vor dem Heim an der Straße werden die Liegehallen für die Kinder errichtet.
Wurde heute in Betrieb genommen. Nachmittags fanden dort 40 Kinder freundliche Aufnahme. Auf 6 Wochen ist die Behandlung in dem Heim bemessen, die ihnen Freude bringen wird und zu ihrer Kräftigung wesentlich beitragen soll.
Man kann feststellen, dass durch die äußerst angenehm wirkende Einrichtung des Gebäudes, durch seine landschaftlich günstige Lage und durch gute Heilbehandlung der Zweck der Anstalt aufs beste erfüllt worden ist.
Vor allem auch legt die Stadtverwaltung Wert auf eine gute Verpflegung und will es an nichts fehlen lassen. Während unsere frühere Fürsorgerin in der Krankenkasse, Schwester Auguste Brehm, in der neuen Anstalt ein dankbares Gebiet ihres Berufes gefunden hat und die Aufsicht führt, hat Herr Dr. Loth die ärztliche Behandlung übernommen, um sich noch tatkräftiger wie bisher in den Dienst der Gesundheitspflege im hiesigen Bezirk zu stellen. Frau Dittmar ist als Köchin in das Walderholungsheim berufen worden. Für andere notwendige Arbeiten sind zwei Hilfskräfte tätig, die später durch den Hausmeister ersetzt werden.
Vergebung von Arbeiten im Walderholungsheim
Folgende Arbeiten werden auf Grund der eingereichten Offerten vergeben:
a) Malerarbeiten an Gebr. Pausch, Steinach, zum Preise von 2.993,71 Mark
b) Schlosserarbeiten am Gustav Klug, Lauscha, zum Preise von 470,30 Mark
c) Lieferung von 3 Badewannen an Gaswerk Steinach, zum Preise von 537,00 Mark
Nachdem im Laufe des Jahres das Walderholungsheim gut belegt war und jetzt noch ist, macht sich der Ausbau eines Speisesaales nötig.Der vorgelegte Kostenanschlag beziffert die Baukosten auf 6000,00 Mark. Die Durchführung des Anbaues wird vom Stadtrat genehmigt, desgleichen die Aufnahme eines Darlehens bei der Thür. Landesversicherungsanstalt in Weimar zur Deckung der Baukosten in Höhe von 6000.00 Mark